TRAINERFLOPS
Der Sturz des Provinzfürsten
Von Jens Kirschneck
Es ist ein Geschäft, das von der Hoffnung lebt: Dass mit dem Neuen auf dem Trainerstuhl alles besser wird. Oft kommt es anders, die Liste der Missverständnisse ist lang. In unseren Top Ten finden sich einige prominente Namen - auch die von Rudi Völler und Otto Rehhagel.
Platz 10 - Rudi Völler beim AS Rom (September 2004)
Was hatte man Völler gefeiert, als er im Spätsommer 2004 nach Rom pilgerte, um "seiner" Roma aus der Patsche zu helfen. Doch hätte er den Ort, an dem er einst als Spieler sein Glück (und die zweite Ehefrau) fand, diesmal besser gemieden, denn auch Völler bekam die vogelwilde Truppe um den exzentrischen Kapitän Francesco Totti nicht in den Griff. Nach ganzen 25 Tagen warf er das Handtuch, kurz davor hatte die Zeitung "Corriere della Serra" geschrieben: "Völler ist der richtige Mann auf dem falschen Platz."
Platz 9 - Otto Rehhagel beim FC Bayern (Juli 1995 bis April 1996)
Nach 14 Jahren im beschaulichen Bremen wähnte sich der Provinzfürst Rehhagel bereit für den großen Wurf. Doch was mit einem halbwitzigen Spruch ("Otto ... find ich gut!") auf Franz Beckenbauers Schirmmütze possierlich begann, entwickelte sich zu einer für beide Seiten unerfreulichen Angelegenheit. Rehhagel zeigte sich weder der meinungsfreudigen Führungsetage der Bayern noch der rauen Münchner Presselandschaft gewachsen und wurde vier Spieltage vor Saisonende entlassen, obwohl die Bayern zu diesem Zeitpunkt auf Platz zwei in der Liga und im Finale des Uefa-Cups standen. Der "Kaiser" höchst selbst übernahm das Team und gewann den Europapokal, nicht aber die Meisterschaft.
Platz 8 - Aad de Mos bei Werder Bremen (Juli 1995 bis Januar 1996)
Auch Rehhagels Nachfolger in Bremen war kein Fortune beschieden. Der renommierte Niederländer de Mos galt als überragender Theoretiker. Er führte an der Weser die Viererkette ein, die Werders Spieler aber nur zögernd verinnerlichten. Nach dem Absturz auf Platz 15 und zahllosen Extrawürsten für Mario Basler weinte sich de Mos an einem feuchtfröhlichen Abend angeschickert bei Journalisten aus ("Es wird nie etwas aus diesem Verein"). Als er die vom Club geforderte Gegendarstellung nicht erwirken konnte, musste de Mos gehen.
Platz 7 - Josip Skoblar beim Hamburger SV (Juli bis November 1987)
Zugegeben, die Nachfolge eines Ernst Happel anzutreten, ist keine dankbare Aufgabe. Skoblar aber manövrierte sich ohne Not selbst in die Bredouille, als er seinen kroatischen Landsmann Mladen Pralija als Keeper installierte. Mit dem Fliegenfänger im Kasten erlitt der HSV schwere Schlappen in München (0:6), gegen den KSC (0:4) und in Mönchengladbach (2: 8 ). Am 9. November 1987 musste Skoblar gehen. Pralija kurz darauf auch.
spiegel.de
TRAINERFLOPS
Zurück zur Mami
Von Jens Kirschneck
Manchmal passt es einfach nicht zwischen Übungsleiter und Verein. Das Unglück vorgezeichnet ist, wenn der Coach selbst nicht an seinen Erfolg glaubt. Ein anderer Fußballlehrer scheiterte auch deshalb, weil er sich nicht einmal die Namen seiner Spieler merken konnte.
Platz 6 - Thomas Hörster bei Bayer Leverkusen (Frühjahr 2003)
Nein, er war für diesen Job nicht gemacht. Wenn sich Hörster als Coach von Bayer in der Öffentlichkeit bewegte, wirkte er immer, als würde er am liebsten zurück zur Mami, und hopp auf den Arm. Nachdem der zurückhaltende Mann in einem Fernsehinterview mit gesenktem Kopf bekannt hatte, er glaube nicht mehr an den Klassenerhalt, war er von seinem Leiden erlöst. "Wenn ein Trainer so etwas sagt, muss man ihn nicht entlassen, sondern erschießen", kommentierte "Experte" Udo Lattek gewohnt markig. Der Angeklagte wurde freilich nicht exekutiert, sondern kehrte in die Leverkusener Jugendabteilung zurück. Hörster-Nachfolger Klaus Augenthaler bewahrte Bayer vor dem Abstieg.
Platz 5 - Winfried Schäfer beim VfB Stuttgart (Juli bis November 1998)
Schäfer übernahm einen aufstrebenden VfB, der sich unter Jogi Löw für den Uefa-Cup qualifiziert hatte. Doch irgendwie schaffte er es, sich innerhalb kürzester Zeit mit der gesamten Mannschaft anzulegen, insbesondere den drei großen "B" (Balakov, Bobic und Berthold). Bezeichnendes Zitat von Thomas Berthold: "Wenn Schäfer am Samstag noch Trainer ist, muss er doch von einer Armee geschützt werden." Musste er nicht.
Platz 4 - Wolfgang Sidka bei Arminia Bielefeld (Sommer 1994)
Sidka war auserkoren, den damaligen Regionalligisten Arminia um die Stars Fritz Walter und Thomas von Heesen zurück in den Profifußball zu führen, doch die Ahnungslosigkeit, mit der er agierte, war atemberaubend. Sidka kannte sich im eigenen Kader nicht aus, schickte einen Betreuer zum Üben ans Kopfballpendel und nannte Publikumsliebling Stefan "Studti" Studtrucker konsequent "Stucki". Eine teaminterne Abstimmung mit dem Ergebnis von 0:23 brach ihm dann das Genick. Nach der ersten Niederlage und dem ersten Gegentor flog er raus. Sidka schaffte insgesamt vier Spiele. Auch eine Leistung.
spiegel.de
TRAINERFLOPS
Aus nach sechs Tagen
Von Jens Kirschneck
An kurze Amtszeiten der Trainer hat sich der Fußballfan mittlerweile gewöhnt. Was sich allerdings einst beim Karlsruher SC tat, war selbst für Hartgesottene bemerkenswert. Ein anderer Coach machte gar die Bekanntschaft einer Schusswaffe.
Platz 3 - Jörg Berger bei Bursaspor (Juli bis Oktober 2000)
Berger hat als Trainer bereits eine Menge erlebt, aber die Zeit beim türkischen Erstligisten Bursaspor nimmt auch in seiner Vita eine Sonderstellung ein. Wegen des Einsatzes der beiden von Berger mitgebrachten Spieler Marc Ziegler und Martin Spanring kam es zum Streit mit der Clubführung, der rasch eskalierte. Erst sperrte der Verein Berger das Handy, dann wurden die Fensterscheiben seines Hauses zertrümmert. Als er zum Entlassungsrapport bestellt wurde, lag eine Pistole auf dem Tisch, was ein Vorstandsmitglied mit den Worten kommentierte: "Das ist unsere Sprache."
Platz 2 - Reinhold Fanz beim Karlsruher SC (Jahreswechsel 2004/2005)
Am Tag vor Silvester wurde er verpflichtet, kurz nach Neujahr war er bereits wieder gefeuert. Die sechs Tage, die Fanz beim Karlsruher SC, nun ja, arbeitete, markieren die kürzeste Amtszeit in der Geschichte des deutschen Profifußballs. Und sind ein Lehrbeispiel über den Einfluss der Sponsoren im modernen Sport. Denn die Demission des just verpflichteten Fanz erfolgte auf massiven Druck des KSC-Hauptsponsors EnBW, dessen Boss Utz Claassen sich einst als Hannoveraner Vorstandsvorsitzender mit 96-Coach überworfen hatte. So durfte EnBW eine Presseerklärung verbreiten, in der Fanz das "nötige Format" für den Job abgesprochen wurde. Und der Club, der ohne die Gelder des Sponsors pleite gewesen wäre, machte artig Männchen dazu.
Platz 1 - Rolf Schafstall bei Dynamo Dresden (Frühjahr 1999)
"Dreck, wohin du guckst. Dem Zeugwart muss man in den Arsch treten, dass er seinen Job macht und nicht in den Tag reinquasselt und von alten Zeiten erzählt. Die sehen keinen Dreck hier. Das haben die früher nicht sehen müssen. Die sind nicht zur Arbeit, nicht zur Ordnung, zu nichts erzogen worden. Da steht keiner auf, da hört keiner zu - kein Anstand, lauter Ossis. Soll ich dafür Sorge tragen, dass die im richtigen Moment nicht den Tritt in den Arsch bekommen haben? Ich weiß: Das ist befristet. Und dann mache ich den Abflug hier." Nun, es ging schneller, als Schafstall dachte: Wenige Tage nach diesen Aussagen, mit denen er sich als Ahnherr von Edmund Stoiber profilierte, wurde Schafstall in Dresden entlassen, nach einer Amtszeit von gerade einmal 56 Tagen.
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